Nazis raus!

Warum Antifaschist_innen aus NRW alles daran setzen werden, der „Roten Antifa Duisburg / Düsseldorf“ die Handlungsfreiräume einzuschränken.

Nachdem bereits über einige Wochen hinweg auf Basis von Gerüchten, Halbwahrheiten und streckenweise blanken Lügen über die Vorfälle bei der letzten „Gender Terror“, einer monatlich im AZ Mühlheim stattfindenden queer-politischen Party, diskutiert worden ist, möchten wir, die wir den Rauswurf dreier Mitglieder der „Roten Antifa Duisburg / Düsseldorf“ maßgeblich zu verantworten haben, an dieser Stelle einige Worte an die Sache verlieren. Im Vordergrund steht dabei die Richtigstellung der mittlerweile hegemonial gewordenen und dabei völlig irrsinnigen Version der Duisburger Antiimperialisten. Maßstab der Betrachtung ist dabei nicht der Wunsch der „Roten Antifa Du / Dü“, das AZ weiterhin besuchen zu können – dieser Wunsch ist nach Lage der Dinge nicht mehr als eine Frechheit – sondern die Perspektive auf die Isolierung der Gruppe innerhalb der politischen Zusammenhänge im Ruhrgebiet und in Nordrheinwestfalen. Wir widmen uns daher zunächst der Faktenlage und werden nach dieser für sich sprechenden Darstellung die einzig möglichen Konsequenzen umreißen. Eine Stellungnahme zum durch die Betreiber_innen des AZ ausgesprochenen Hausverbot gegen die Gruppe folgt unseren Informationen nach in Kürze.

Am Abend des 02.11.2007 verließen zwei Genoss_innen aus dem Umfeld des Autonomen Zentrums am Mülheimer Hauptbahnhof den Zug, den ebenfalls einige Mitglieder der „Roten Antifa Duisburg / Düsseldorf“ zur Anreise genutzt hatten. Dabei skandierten letztere die Parolen „Antifada, Antifada“ und „Tod für Israel“. Die beiden Genoss_innen gaben der Gruppe kurz und knapp zu verstehen, dass sie mit solcherlei Selbstentblößung als Antisemit_innen reinsten Wassers keinerlei offene Tür bei der „Gender Terror“ zu erwarten hätten. Bevor die Gruppe ihrem Wunsch nach der physischen Auslöschung des jüdischen Staates Ausdruck verleihen konnte – z.B. dadurch, seine Verteidiger_innen körperlich anzugreifen –, eilten die Genoss_innen zum Zielort, um die Veranstalter_innen, ihnen bekannte Besucher_innen und das Eingangspersonal über den Vorfall in Kenntnis zu setzen. Wenige Minuten später erreichte die Duisburger Gruppe das AZ und reagierte auf den Hinweis, dass ihnen der Eintritt verwehrt bleiben würde, mit offensiven Drohgebärden; zunächst dadurch, einen Stapel Flyer zu Boden zu reißen und anschließend durch Titulierung einer am Rauswurf beteiligten Genoss_in als „Schlampe“, von der man sich „nichts sagen“ ließe. Dem aggressiven Auftreten entsprechend sammelten sich mehrere Besucher_innen um die Kleingruppe, um dem ausgesprochenen Hausverbot Nachdruck zu verleihen. Noch im Eingangsbereich zeigte der Wortführer der „Roten Antifa“, begleitet von immer wieder ausgestoßenen Hasstiraden gegen die von ihm als solche gekennzeichnete „Schlampe“, verstärkten Unwillen, das Gelände zu verlassen. Im Zuge dessen bezeichnete er sich und seine Freund_innen, unterstützt von chauvinistischen Gebärden, mehrfach als „türkische Antifa“, die sich solchen „Faschismus“ nicht gefallen ließe und den Vorfall mit einem „Nachspiel“ sanktionieren würde. Nach aggressivem, verbalem Schlagabtausch verließ die Gruppe, daherschwätzend von vermeintlich gegenüber ihren antisemitischen, frauenfeindlichen und nationalistischen Auskotzungen notwendiger „Toleranz“, das Gelände.

Wenige Tage später stattete die Gruppe, dieses Mal in verstärkter Anzahl, dem Autonomen Zentrum einen neuen Besuch ab, bei dem sie ein ungenießbar lesbares Papier hinterließ, das sie mit den Worten „Stellungnahme der Roten Antifa Du/Dü“ betitelt hatte. In dem Pamphlet relativieren sie die Gründe für ihren Rauswurf dahingehend, dass sie behaupten, ihnen wäre bei Eingangsgesuch unvermittelt unterstellt worden, Antisemit_innen zu sein und ihre verbalen Ausfallerscheinungen gegen Frauen wären als nicht relevant zu betrachten – vielmehr wäre in Folge einer „Provokation“* seitens einer „vermeintliche[n] Besuchsherrin des AZ“, diese aus ihren Reihen heraus „als ‚Schlampe’ benannt“ (sic!) worden. Dies wäre „aus dem Reflex (sic!) heraus“ geschehen und sei daher „nicht näher zu deuten“: Die „Rote Antifa bietet keinen Platz für Sexismus und entschuldigt sich für diese Äußerung“. Diese Selbstentschuldung darf in diesem Zusammenhang, der vollkommenen Unwillen deutlich macht, sich reflexiv mit sexistischer Projektion auseinanderzusetzen, sicherlich wörtlich genommen werden. Auch in anderen Zusammenhängen scheinen die Mitglieder der „Roten Antifa“ reflexhaftem Verhalten nicht abgeneigt: Auch im weiteren Textverlauf wird gezielt umgangen, dass die Gruppe mehrfach eine offene Vernichtungsdrohung gegen Israel artikuliert hat. Anstelle dessen wird in der völligen Fehleinschätzung, das Autonome Zentrum sei ein politisch neutraler Boden, auf eine „Aufgabe jedes AZ“ rekurriert, so „autonom zu bleiben“, wie des Nachts alle Kühe schwarz sind. Es wird eingefordert, den vermeintlich in dieser Frage zur Debatte stehenden „Antideutsch/Antiimp Konflikt“ beiseitezulassen und anstelle dessen „eine[n] Raum zur politischen und persönlichen Entfaltung“ zu liefern. Auf die Spitze getrieben wird diese Forderung nach Pluralismus und Toleranz gegenüber hinterletzter deutscher Bauernmentalität im vermeintlich den Anspruch des AZ charakterisierenden Ruf nach „Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit“.

Nochmal zum Mitschreiben: Persönliche und politische Freiräume kann ein Autonomes Zentrum bieten, wenn persönliche und politische Entfaltungsmöglichkeiten nicht gleichbedeutend sind mit widerlichsten Hassaufrufen gegen stigmatisierte Feindbilder. Wer es im Rahmen von Freiheit und Gleichheit für verhandelbar hält, Israel auszulöschen, der ist nicht Diskussionspartner, sondern politischer Feind. Wer in Folge von minimalen Stresssituationen weibliche Polygamie zur Beleidigung verkehrt, und das selbstsicher als „Reflex“ bezeichnet, hat auf einer queer-politischen Party, deren explizites Ziel die Emanzipation von Geschlecht und dem Konzept Zweierbeziehung ist, nichts verloren. In diesem Sinne gehen wir als regelmäßige Besucher_innen des AZ letztlich vollkommen d’accord mit den Vorstellungen der Duisburger, wenn sie ihr Papier mit dem einzig vernünftigen Vorschlag resümieren, den diese Situation offen lässt: „Doch wenn Das AZ Mülheim weiter darauf bedacht ist die politische Einstellung einer bestimmten Gruppierung zu vertreten, werden wir und andere diese Räumlichkeiten nicht mehr aufsuchen und nach neuen Örtlichkeiten der Toleranz und Freundschaft suchen.“ (Fehler im Original)

Ganz Recht haben sie: Wenn die Vernichtung von Juden, die Gewaltverherrlichung gegenüber vermeintlichen oder tatsächlichen Frauen und der türkische Nationalismus im Rahmen von „Toleranz und Freundschaft“ diskutabel werden sollen, dann sind die antifaschistischen Besucher_innen des Autonomen Zentrums, insbesondere die der „Gender Terror“ darauf bedacht, zu politischer Gegenwehr zu greifen, was in diesem Fall nichts anderes bedeuten kann als:

Hausverbot für die „Rote Antifa Duisburg / Düsseldorf“ und ihre politischen Sympathisant_innen und Isolation der Gruppe aus antifaschistischen Zusammenhängen!

Antisemitismus und Sexismus offensiv bekämpfen!

* Alle Zitate, soweit nicht anders gekennzeichnet sind der „Stellungnahme der Roten Antifa Du/Dü“ entnommen.