Zum Naziaufmarsch in Köln-Ehrenfeld

Am 16.6.07 wollen Nazis unter der Fahne der extrem rechten Partei „Pro Köln“ im Kölner Stadtteil Ehrenfeld aufmarschieren und gegen den Bau einer Großmoschee demonstrieren. Neben der Verhinderung des Aufmarsches ist es uns wichtig Kritik an den vermeintlichen Gegnern der Nazis zu üben. Zu den vermeintlichen Gegnern der Nazis zählen zum einen die deutsche Gesellschaft und spezifisch die islamische Gemeinde, welche sich für den Bau der Moschee verantwortlich zeichnet. Den Ansatz unserer Kritik möchten wir nun in diesem Text kundtun.

[Die negative Gesellschaft…]

Neonazis sind nicht Randerscheinung der deutschen Gesellschaft, sondern ihr Spiegelbild. Ihre Positionen sind Zuspitzungen jenes Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus, welcher von einem Großteil der Gesellschaft vertreten wird. Diese Gesellschaft ist es auch, die nicht erkennt, dass Nazis eben kein Ergebnis von „schlechten sozialen Bedingungen“, pathologischer Ausdruck bestimmter Persönlichkeitsstrukturen etc sind, sondern ihr direktes Produkt. Nationalsozialistische Ideologie ist ein ernstzunehmender und fester Bestandteil dieser Gesellschaft.
Sich dies einzugestehen hieße allerdings die bestehende Gesellschaft abzulehnen. Allein dies ist Grund genug, warum eine effektive, radikale antifaschistische Politik nicht von den affirmativen „Gegnern“ des Naziaufmarsches, also der Zivilgesellschaft, kommen kann. Um es auf den Punkt zu bringen: Sich dies „einzugestehen“ bedeutet auch anzuerkennen, dass Neonazis keine Krankheit der bestehenden Verhältnisse sind, sondern es die bestehenden Verhältnisse ohne Neonazis nicht geben kann. Die derzeitige Ordnung abzulehnen, ist somit die einzig richtige Konsequenz.

[…ihre Verteidigung…]

Doch wie die typische Verteidigung des Staates bzw. der deutschen Gesellschaft aussieht ist ja allseits bekannt. Das Spektrum reicht vom lustig-netten Lichterketten Geschunkel bis hin zum demonstrativen „weggucken und Fensterläden schließen“ wenn Nazis in „ihrer“ Stadt marschieren. Oder auch die „vernünftigen“ Erklärungsmuster der bürgerlichen Linken, welche bei „schlechter Erziehung“ anfängt und bei verkacktem Leben aufhört. Genauso sind dann auch deren Bekämpfungsstrategien: Mehr Jugendzentren, mehr Arbeitsplätze, mehr Aufsicht und Kontrolle durch Staatliche Jugendbetreuung, mehr blabla…. Das sich die bürgerliche Linke nicht eingestehen will, dass man Nazis nur effektiv an der Verbreitung und Auslebung ihrer Ideologie durch konsequentes Intervenieren und dem breit angelegten Ausschluss aus der Gesellschaft – selbstredend ohne den Anspruch sie befreien zu wollen – hindern kann, ist Ausdruck ihrer sturen, pazifistischen Gesamtanschauung. Wie sich bürgerliche Linke, die Kölner islamische Gemeinde und die so genannte Mitte der Gesellschaft dann zum Thema Islamkritik und Antifaschismus verhalten, zeigte sich dann vor kurzem. Die Grünen-Dezernentin Marlis Bredehorst quatscht von „Ausrutscher“ wenn sie von der Shoa redet, Die linke Tageszeitung(TAZ) schickte den Shoa-Überlebenden Ralph Giordano welcher den Moscheebau kritisierte gar auf die Rennstrecke und ließ ihn Franz Schönhuber, seines Zeichens Gründer der extrem rechten Partei „Republikaner“, rechts überholen. Nun berichten Augenzeugen zwar davon dass Bredehorst ihren „Ausrutscher“ direkt bemerkte, sie revidierte diesen jedoch nicht sofort, sondern distanzierte sich erst später davon.

[…und ihre erlogene Vielfalt]

Giordano erhielt, nachdem er seine Kritik am Moscheebau äußerte, Morddrohungen im Namen Allahs.

Der Grund weshalb Rechtsextreme und Nazis den Bau dieser Moschee verhindern wollen, nämlich die Angst vor einer konstruierten Überfremdung Deutschlands ist genauso infrage zustellen wie die Rolle des Islams als Religion im allgemeinen und spezifisch als Islam, der in vielen Fällen politischen Machtanspruch erhebt und so seine als Religion schon archaische Form zum Programm erhebt, das in der Weltweiten Durchsetzung der Scharia münden soll. Ebenso sollte hier jedoch auch wieder das Bedürfnis der deutschen Mehrheitsgesellschaft nach kritischem Dialog, eben nicht nur mit gemäßigten Vereinen wie den Moscheebauern von Köln, sondern auch mit handfesten militanten Feinden Israels ins Visier genommen werden. Der Dialog zur „Integrationsdebatte„, welcher die multikulturelle Gesellschaft propagiert ist nichts als ein Rassismus antirassistischer Färbung. Während man die Gleichwertigkeit der Menschen propagiert konstituiert man ebenfalls deren Ungleichheit. Es geht eben nicht darum, eine Gesellschaft der gleichen Verschiedenen zu errichte, wie es die Aufgabe einer radikalen Linken wäre, sondern um die Errichtung eines Ethno-Zoos. In diesem Sinne hat eine radikale Linke mit der deutschen Gesellschaft in all ihren Nuancen ebenso zu brechen wie mit Pro Köln und irgendwelchen Nazis. Es geht ebenso nicht darum, den Moscheebau als antirassistisches Projekt zu verteidigen, sondern Islam als die realen Zustände vernebelnde Religion anzugreifen; als politisches Projekt sowieso; und eine Gesellschaft einzufordern die dem Glauben an einen Gott nicht mehr bedarf.

„Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes.“ -
Karl Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie.

Antifa Mönchengladbach & Offene Jugendantifa Mönchengladbach


1 Antwort auf “Zum Naziaufmarsch in Köln-Ehrenfeld”


  1. 1 Antifa-MG Diss // Lysis Pingback am 14. Juni 2007 um 20:22 Uhr
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